11 Anzeichen von Hochsensibilität – Bin ich hochsensibel?

11 Anzeichen von Hochsensibilität – Bin ich hochsensibel?

Hochsensibilität ist ein sehr wichtiges und komplexes Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Dabei habe ich lange nicht gewusst, dass es so etwas wie Hochsensibilität überhaupt gibt. Jahrelang habe ich mich wie eine Außenseiterin gefühlt, wusste nicht so richtig, was „falsch“ mit mir ist. Ich habe gemerkt, dass ich deutlich mehr wahrnehme als andere – was meine Umgebung angeht, aber auch die Emotionen meiner Mitmenschen.

Seinen Höhepunkt hat dieses „Ich fühle mich anders, als die anderen“ im Jahr 2018. Ich war zu diesem Zeitpunkt im Auslandssemester – habe vier Monate lang in Madrid gelebt und war plötzlich auf mich alleine gestellt. Zwischen einer neuen Umgebung, neuen Freunden und einer neuen Uni habe ich mich oft verloren gefühlt. Ich wusste nicht so richtig, wie ich mit all den Emotionen, die ich gleichzeitig gefühlt habe umgehen sollte. Irgendwann bin ich dann auf ein YouTube-Video von Ella TheBee gestoßen, in dem sie über Hochsensibilität spricht – und plötzlich ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: „Ich bin hochsensibel!“.

Was genau ist Hochsensibilität eigentlich?

Es ist schwierig, eine feste Definition dafür zu finden, was Hochsensibilität genau ist. Ich persönlich würde sie aber als die sehr ausgeprägte, intensive und empfindliche Wahrnehmung der Umgebung beschreiben. Sowohl was äußere Reize, wie zum Beispiel Gerüche und Geräusche angeht, als auch was innere Reize, wie die Emotionen und Gefühle anderer betrifft. Es ist aber nicht nur diese erhöhte Empfänglichkeit für die Umgebung, die auf Hochsensibilität hindeutet: Viele weitere, oftmals auch unscheinbare Anzeichen können einem zeigen, dass man hochsensibel ist. Und weil ich meine eigenen Erfahrungen nutzen möchte, um anderen Menschen zu helfen sich selbst besser zu verstehen, habe ich ebendiese Anzeichen in einer kleinen „Hochsensibilitätsliste“ zusammengetragen.

11 Anzeichen für Hochsensibilität

Du fühlst dich schnell gestresst, wenn „zu viel auf einmal“ los ist.

Hochsensible Menschen fühlen sich oft überfordert und sind viel schneller gestresst, als andere – vor allem, wenn sie viele Dinge auf einmal in einer kurzen Zeit machen müssen und dabei keine Zeit für sich selbst haben.

Veränderungen beunruhigen dich, du brauchst eine feste Routine, um dich wohlzufühlen.

Viele Hochsensible brauchen eine feste Routine. Sie fühlen sich wohl, wenn sie einen Plan haben und genau wissen, was ansteht. Mit Spontanität können sie deshalb meist nur schwer umgehen. Ich kenne das von mir selbst: Wenn mir jemand spontan etwas vorschlägt, fühle ich mich im ersten Moment oft überfordert – auch, wenn ich die Idee eigentlich cool finde. Wenn ich aber weiß, was auf mich zukommt und mich innerlich darauf einstellen kann, kann ich loslassen und die Zeit viel mehr genießen.

Du wurdest schon öfter als „introvertiert“, „schüchtern“ oder „reserviert“ bezeichnet.

Viele Menschen wissen gar nicht, dass es so etwas wie Hochsensibilität überhaupt gibt. Deshalb wird dieser Begriff oft falsch eingeordnet. Es stimmt zwar, dass viele Hochsensible auch introvertiert sind, aber eben nicht alle! Hochsensible Menschen und Introvertierte sind sich in vielen Punkten ähnlich – zum Beispiel brauchen beide viel Zeit für sich allein, um Erlebnisse zu verarbeiten und neue Energie zu tanken. Der kleine aber feine Unterschied ist, dass Hochsensible noch viel empfindlicher auf ihre Umgebung reagieren und deutlich mehr wahrnehmen.

Dir fallen Details auf, die andere übersehen.

Wie ich schon erwähnt habe, nehmen Hochsensible ihre Umgebung deutlich intensiver wahr, als andere Menschen. Sie sind empfindlicher – zum Beispiel was Geräusche in der Ferne angeht. Aber besonders im Bezug auf ihre Mitmenschen sind hochsensible Personen aufmerksam. Sie haben oft ein sehr ausgeprägtes Gespür dafür, wie es anderen geht. Ein Blick, ein kleines Zucken mit dem Mundwinkel reicht aus und der oder die Hochsensible weiß, was Sache ist. Diese Fähigkeit kann auf der einen Seite sehr schön sein, denn sie gibt Hochsensiblen die Möglichkeit, sehr empathisch zu sein und eine tiefe Verbindung zum Gegenüber aufzubauen. Gleichzeitig kann es manchmal überfordern, so viele Eindrücke auf einmal verarbeiten zu müssen.

Situationen, die andere als „normal“ empfinden, überfordern dich schnell.

Viele Situationen können auf hochsensible Menschen schnell überfordernd wirken – vor allem, wenn größere Menschenmengen involviert sind. Aber auch plötzliche laute Geräusche, helles Licht oder intensive Gerüche können als störend empfunden werden.

Du analysierst ständig deine Gedanken, Gefühle und dein Verhalten.

Hochsensible haben oft den Hang dazu, ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle ununterbrochen zu analysieren. Es passiert mir öfter, dass ich ein Streitgespräch, das vor Jahren stattgefunden hat noch einmal im Kopf durchgehe und überlege, was ich „hätte besser machen“ können. Das muss per se gar nichts schlechtes sein – schließlich ist es gut, aus seinen „Fehlern“ oder aus Erfahrungen, die man gemacht hat zu lernen. Auf Dauer ist es aber ziemlich anstrengend, ständig über solche Dinge nachzudenken, weil man dadurch schlechter mit Situationen abschließen kann.

Dein Körper ist extrem empfindlich.

Auch, was den Körper angeht, sind Hochsensible oft empfindlicher, als andere. So kommt es leider nicht selten vor, dass sie Schmerzen deutlich stärker wahrnehmen als ihre Mitmenschen und sich schneller davon beeinträchtigt fühlen. Ein gutes Gespür für deinen eigenen Körper und genügend Ruhe sind deshalb extrem wichtig.

Du nimmst deine Gefühle extrem intensiv wahr.

So, wie auch ihre Umgebung, nehmen hochsensible Menschen ihre Gefühle oft sehr intensiv wahr. Das kann auf der einen Seite sehr schön sein – auf der anderen Seite haben es Hochsensible aber oft nicht leicht, wenn es um den Umgang mit diesen intensiven Gefühlen geht. Mit der Zeit lernt man aber, seinen Emotionen – den positiven, wie auch den negativen – Raum zu geben.

Die Emotionen anderer wirken sich oft auf deine eigene Stimmung aus.

Ich habe oft das Gefühl, dass ich weiß, wie sich eine andere Person fühlt. Und das, bevor sie überhaupt selbst Notiz davon nimmt. Wenn sich jemand in einer Situation unwohl fühlt, dann überträgt sich dieses Unwohlsein oftmals auch auf mich. Genauso, wenn sich jemand freut oder traurig ist. Ich denke, man muss lernen, sich von anderen abzugrenzen. Das bedeutet nicht, dass man seine Mitmenschen und deren Gefühle völlig ignorieren sollte – aber man sollte sich eben auch nicht völlig davon vereinnahmen lassen. Auf Dauer kann sich das unter Umständen nämlich sehr negativ auf einen selbst auswirken.

Du brauchst sehr viel Zeit für dich, um „normal“ zu funktionieren.

Wie ich ebenfalls schon erwähnt habe: Hochsensible brauchen sehr viel Zeit für sich selbst, um normal zu funktionieren. Das liegt daran, dass über den Tag verteilt so viele Eindrücke auf uns einprasseln, dass wir oft gar nicht die Zeit haben, sie im Kopf zu sortieren und zu verarbeiten. Wenn wir also nach einem langen Tag nach Hause kommen, brauchen wir oft erst einmal ein bisschen Ruhe, um neue Energie zu tanken.

Du bist sehr kreativ und begreifst schnell neue Dinge.

Hochsensible Menschen wissen Dinge oft intuitiv. Es fällt ihnen leicht, sich in neue Themen einzuarbeiten und sie begreifen neue Sachverhalte schnell. Sie verfügen über eine starke Intuition und eine ausgeprägte Vorstellungskraft. Weil sie sich so oft in Dinge hineindenken und Situationen analysieren, fällt es ihnen außerdem oft leichter, Lösungen für Probleme zu finden, als anderen. Ihr Auge für Details erlaubt es ihnen kreativ zu sein.

Auch, wenn es manchmal gar nicht so leicht ist, damit umzugehen: Mittlerweile habe ich gelernt, meine Hochsensibilität zu schätzen. Sie gibt mir die Möglichkeit, zwischenmenschlich tiefe Verbindungen aufzubauen und aufmerksam durch’s Leben zu gehen. Wenn ihr auf der Suche nach noch mehr Input zum Thema Hochsensibilität seid, könnt ihr euch gerne in diesen Beitrag reinlesen – darin erzähle ich euch ein bisschen mehr von meiner persönlichen „Hochsensibilitätsgeschichte“.

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