Anerkennung & die Kraft, auch ohne sie weiterzumachen

Anerkennung & die Kraft, auch ohne sie weiterzumachen

Es gibt Menschen, die ein Team um sich herum brauchen, um zu funktionieren. Und es gibt Menschen, die lieber alleine arbeiten – unauffällig, im Verborgenen. Ich würde mich persönlich eher der zweiten Gruppe zuordnen. Es fällt mir zwar nicht schwer, mit anderen zusammenzuarbeiten – trotzdem bin ich eher die Einzelkämpferin. Ich mag es, mich selbst herauszufordern und an meinen Zielen zu arbeiten. Und doch gibt es eine Sache, die sowohl die „Rudeltiere“, als auch die einsamen Wölfe unter uns brauchen. Eine Sache, die einfach nicht fehlen darf: Anerkennung. Ob sie nun von der Familie, von guten Freunden oder auch von Fremden kommt – Anerkennung scheint Hand in Hand mit der Motivation einherzugehen, für die eigenen Träume zu kämpfen und seine Ziele zu erreichen.

Wir lernen schon im Kindesalter, dass wir dafür belohnt werden, wenn wir etwas „richtig“ machen oder etwas schaffen, dass wir uns vorgenommen haben. Manchmal ist diese Belohnung materieller Natur – oft sind es aber auch einfach ein paar warme, herzliche Worte oder das klischeehafte „auf-die-Schulter-Klopfen“, das uns zeigt: „Das hast du gut gemacht!“. Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, wie schön es sich anfühlt, Anerkennung zu erhalten. Wie schön es ist, wenn eine andere Person unsere Bemühungen sieht und uns in unseren Vorhaben unterstützt. Es ist auch nicht meine Art, die Dinge zu sehr ins Negative zu ziehen – ich denke, das habe ich mir inzwischen abgewöhnt (zumindest in den meisten Fällen). Trotzdem muss ich es sagen, wie es ist – eine gesunde Portion Realismus kann schließlich jeder vertragen: Die Anerkennung, nach der es uns so oft dürstet, wird uns im Leben recht selten entgegengebracht werden.

Anerkennung kostet viele Menschen Überwindung

Es gibt viele Menschen auf dieser Welt, die einem den Erfolg, den man sich hart erarbeitet nicht gönnen. Personen, die beschließen, lieber nichts zu sagen, als auch nur ein positives Wort darüber zu verlieren, was jemand anders auf die Beine gestellt hat – sei es beruflich oder privat. Das muss gar nicht unbedingt etwas mit Boshaftigkeit zu tun haben und bestimmt auch nicht immer mit Neid – wobei letzterer oft eine größere Rolle spielt, als manch einer denken würde. Ich glaube, viele Menschen sind einfach so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass sie es überhaupt nicht auf dem Schirm haben, was jemand anders gerade so macht. Oft hängen wir mit dem Kopf irgendwo in den Wolken – zwischen einem bunten Haufen aus Sorgen, angepeilten Zielen und unerreichten Träumen. Es ist also eigentlicht nicht allzu verwunderlich, wenn die kleinen und großen Erfolge unserer Mitmenschen irgendwie an uns vorbeiziehen.

Eine Sache der Erziehung

Anerkennung und die Fähigkeit, sie anderen entgegenzubringen, hat – und da bin ich mir ziemlich sicher – allerdings auch sehr viel damit zu tun, wie jemand erzogen wurde. Menschen, die selbst aus einem positiven und herzlichen Umfeld kommen, wird es meist leicht fallen jemand anderem Anerkennung zu zollen. Jemand hingegen, der mit Eifersucht, Negativität und Missgunst aufgewachsen ist, wird damit öfter Probleme haben (kleine Anmerkung dazu: Meine Formulierungen sind oft ziemlich überspitzter Natur – mir ist bewusst, dass jeder Mensch anders ist und, dass sich nicht pauschal sagen lässt, wie stark sich die Erziehung oder das Umfeld auf das Verhalten einer Person auswirkt. Ich beschreibe hier lediglich meine Erfahrungen und Beobachtungen). WIE sehr uns unsere familiären Wurzeln prägen, ist uns denke ich oft gar nicht bewusst. Erst, wenn man einen Blick „hinter die Kulissen“ wirft, wird einem oft klar, wieso ein Mensch so handelt, wie er eben handelt.

Meine Beziehung zur Anerkennung

Es gibt verschiedene Gründe dafür, warum mich das Thema Anerkennung im Moment beschäftigt. Zum einen bin ich von Natur aus ein Mensch, der sich viele Gedanken über sein eigenes und das Verhalten anderer macht. Zum anderen gab es erst vor kurzem eine Situation, die mich nicht nur überrascht, sondern auch enttäuscht hat: Seit ich denken kann, habe ich mich kreativ ausgelebt – in den verschiedensten Formen. Dabei war Musik aber schon immer einer der wichtigsten Faktoren in meinem Leben. Als kleines Mädchen war ich im Chor, stand für Kindermusicals auf der Bühne und habe jede Woche Klavierunterricht genommen.

Ein paar (Lebens-)Jahre später habe ich regelmäßig Texte geschrieben und 2018 meinen ersten eigenen Song auf Spotify veröffentlicht (da das aber eher eine Spielerei war und ich mich damit absolut nicht mehr identifizieren kann, lasse ich den hier mal außen vor). Nachdem die anfängliche Euphorie darüber, dass mein Song jetzt von der ganzen Welt gehört werden kann verflogen ist, habe ich das mit der Musik wieder ein Weilchen schleifen lassen – aber so richtig losgelassen hat sie mich nie. Jetzt, zwei Jahre später, ist es also wieder soweit: Mein Song „Save Me“ kann auf jeder erdenklichen Musikplattform gestreamed werden. Auch, wenn ich diesen Prozess mit meinem ersten Lied schon einmal durchlebt habe – diesmal fühlt es sich anders an.

Ein Teil von mir

Es steckt so viel von mir selbst und meinen Erfahrungen in diesen Song, dass es fast schon ein bisschen spooky ist, ihn mit der Welt zu teilen. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich meine Erlebnisse gerne nach außen trage. Einerseits hilft mir das dabei, sie zu verarbeiten – andererseits hoffe ich immer, andere Menschen durch meine Arbeit inspirieren zu können. Als „Save Me“ am 8. Mai online ging, war ich also mehr als aufgeregt. War unheimlich gespannt darauf, was die Menschen dazu sagen würden. Aber nachdem ich die Neuigkeit glücklich auf Instagram und Co. verkündet hatte, schlug die Ernüchterung ein, wie eine Bombe: Gemeldet hatte sich (meine Familie lasse ich hier mal außen vor) vielleicht eine Handvoll Menschen – darunter niemand von meinen allerengsten Freunden. Dafür haben sich Personen bei mir gemeldet, die ich erst einmal im Leben gesehen oder mit denen ich seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte.

Ich glaube, ich muss nicht erklären, warum mich diese Situation traurig gemacht hat. Es liegt nicht nur daran, dass ich für etwas, in das ich eine Menge Herzblut gesteckt habe wenig Anerkennung erhalten habe. Vielmehr liegt es daran, dass mich die fehlende Reaktion dieser Personen menschlich enttäuscht hat. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht versuchen würde, auch aus dieser Situation etwas Positives zu ziehen. Und deshalb denke ich einfach daran, dass ich mir selbst einen großen Traum erfüllt habe, indem ich dieses Lied veröffentlicht habe und daran, dass ich dadurch lernen konnte, mir selbst Anerkennung zu schenken. Denn wenn wir nicht hinter uns selbst stehen, warum sollte es jemand anders tun? Klar, Anerkennung von außen tut gut. Aber es ist die Anerkennung, die wir uns selbst geben können, die die Kraft hat, Berge zu versetzen.

2 Kommentare

  1. 21. Mai 2020 / 10:32 am

    Liebe Anna,

    wenn ich das so lese, so empfinde ich es , wie Du auch, als bitter. –

    Ich kenne Dich ja nun wahrlich nicht wirklich, aber ich nehme Dich als einen ebenso lebensfrohen und-freudigen, kreativen und offenen wie zugleich auch senbsiblen und sich um viele Dinge einen Kopf machenden Menschen wahr.

    Ich denke auch, dass Du während der Zeit, die ich Dich hier ein bisschen begleite, eine ziemlich bemerkenswerte Entwicklung genommen hast, vor allem bist Du viel selbstbewusster, DIR selbst bewusster, geworden.

    Ich will nicht zu sehr spekulieren, aber vielleicht können einige Deiner „Freunde“ (ich schreibe es mal bewusst so) damit nicht wirklich umgehen. – Ich gehe mal davon aus, dass etliche ungefähr in Deinem Alter sind. Und das ist ein Alter, wo sich Persönlichkeitsmerkmale festigen, stabiler werden, ebenso Interessen etc. Das muss nicht bedeuten, dass sich fortan alle Beziehungen und Freundschaften auseinanderleben. Aber ich habe beobachtet, dass sich in und ab diesem Alter manches einfach ein bisschen neu sortiert.

    Deine Enttäuschung kann ich aber nachvollziehen. Um so mehr freut es mich, dass Du dennoch und gerade zu dem stehst, was Du tust, was Dich interessiert, wofür Du Dich motivierst, dass Du immer wieder etwas ausprobieren magst.

    Von Deinem neuen Lied wusste ich leider nichts – ich bin ausschließlich auf dieser Plattform hier unterwegs, deshalb hatte ich keine Ahnung. Und bei youtube läuft Dein neues Lied auch nicht auf Deinem alten Account, dort hätte ich es bemerkt, weil ich den abonniert hatte.

    Nun habe ich mir Dein neues Lied schon mehrmals angehört, und, ja, da ist (ich kann freilich nur als Laie und „aus dem Bauch heraus“ schreiben) sehr wohl eine Entwicklung zu hören. Leider habe ich es mit dem Text schwer. Du weißt ja, mein Englisch ist nicht so toll, und in Verbindung mit Musik verstehe ich dann noch mal weniger und schlechter als ohnhin schon. Könntest Du den Text evtl. bei youtube nochmal extra posten?

    Zu Melodie und Arrangement kann ich sagen, dass beides mir gut gefällt, es klingt professioneller als bei den früheren Liedern. Was ich freilich besonders schön finde, ist Deine Stimme. Eine sehr schöne Singstimme, die in diesem Lied wirklich gut zur Geltung kommt.

    Sei bitte nicht zu traurig, dass (bisher) nicht mehr Resonanz zu spüren ist. Mach, was Dir Freude macht! Ich denke, dass Du auf Deinem entsprechenden Weg sicher auch neue Menschen treffen wirst, mit denen Du Deine Interessen mehr und intensiver teilen kannst als mit manchem derjenigen, die Dir bislang gefolgt sind.

    Ich wünsche Dir alles, alles Liebe, Anna!
    🙂🌷

    • annaedrozd
      Autor
      21. Mai 2020 / 10:48 am

      Ich danke dir für deine lieben Worte. Ja, es ist schon ziemlich bitter – aber du hast völlig recht mit allem, was du sagst. Und klar, ich poste den Text gerne noch auf YouTube – wenn du nach „Save Me Eliana“ suchst, solltest du das Video mit dem Lied finden und auch meinen (neuen) Musikkanal. Dort werd ich die Lyrics mal in die Beschreibung posten. Ich wünsche dir auch alles Liebe und hoffe, du bist gesund! 🙂

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