Nichts zu verlieren

Nichts zu verlieren

Auch, wenn ich aus mir rauskomme, wenn von den richtigen Menschen umgeben bin oder mich in einer Situation wohlfühle, würde ich mich als introvertiert bezeichnen. Durch meine Hochsensibilität denke ich viel darüber nach, was anderen durch den Kopf geht. Ich male mir aus, wie mein Gegenüber reagieren könnte, wenn ich meine Meinung preisgebe. Das macht es mir nicht immer leicht, das zu sagen, was ich wirklich fühle. Ich erwische mich so oft dabei, wie ich den Mund halte, obwohl ich etwas sagen will. Einfach aus Angst, missverstanden oder nicht ernst genommen zu werden. Um die Gedanken und Gefühle, die ich verstecke doch irgendwie nach außen tragen zu können, habe ich mit dem Journaling begonnen. Obwohl mir das dabei hilft, über mich selbst zu reflektieren, möchte ich lernen, meine Angst zu überwinden.

Auch kleine Schritte zählen

Je älter ich werde, desto mehr stehe ich zu mir selbst und das ist etwas, auf das ich stolz bin. Es hat lange genug gedauert, bis zu diesem Punkt zu kommen. Ich habe gelernt, dass Fortschritt besser ist, als Perfektion. Dass jeder Schritt in die richtige Richtung zählt, egal, wie klein er ist. Über all das habe ich in letzter Zeit intensiv nachgedacht und besonders eine Frage schwirrt mir seitdem ständig im Kopf herum:

Was hast du zu verlieren?

Das frage ich mich eigentlich immer, wenn ich vor einer schwierigen Entscheidung stehe oder mich mal wieder nicht traue, etwas zu tun. Möchte ich mich selbst wirklich ein Leben lang zurückhalten müssen, nur, um das Risiko nicht einzugehen, von anderen Personen nicht verstanden zu werden? So viel Überwindung mich das auch kostet, nein, das möchte ich nicht. Ich habe mir vorgenommen, immer hinter mir selbst zu stehen, denn wenn ich nicht auf meiner Seite bin, wer soll es dann sein? Wenn ich älter bin, möchte ich nicht dasitzen und mich mit all den aufgestauten Gefühlen und Gedanken auseinandersetzen müssen, die ich rauslassen wollte, es aus Angst aber nicht getan habe. Das würde ich bereuen. Wenn mich jemand nicht so akzeptiert, wie ich eben bin, dann muss diese Person auch nicht Teil meines Lebens sein. Oder?

Ein entscheidender Gedanke…

Mir ist bewusst, dass ich noch ganz am Anfang dieser inneren Reise stehe. Es ist ein Prozess, seine Angst zu überwinden. Genauso, wie es für mich ein Prozess ist, glücklicher zu werden. Aber das ist okay. Ich möchte mir nicht mehr selbst im Weg stehen. Immer, wenn ich vor etwas Angst habe, ob es nun ein wichtiges Telefonat, ein entscheidendes Probearbeiten 0der ein ernstes Gespräch ist, schaut mich mein Papa mit seinem weichen Blick an und sagt:

„Morgen um diese Zeit ist alles vorbei. Das, wovor du Angst hast, macht nur einen Bruchteil deines Lebens aus, warum stresst du dich also?“

Als ich das zum ersten Mal gehört habe, hat es mich ein wenig stutzig gemacht. Vielleicht, weil der Gedankengang so simpel ist. Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir: Er hat Recht. Es gibt so viele Situationen, in denen wir uns unnötige Angst machen, obwohl alles nach ein paar Augenblicken schon wieder vorbei ist und meist besser läuft, als wir erwartet haben. Wenn ich also merke, dass mich eine bevorstehende Situation stresst oder mir Angst macht, greife ich auf diesen Gedanken zurück. Ich möchte ihn verinnerlichen. Ich möchte Herausforderungen als eine Chance sehen, zu wachsen und besser zu werden und nicht als etwas, das mich verängstigt. Ich habe es satt, mich kleiner oder schlechter zu machen, als ich bin. Natürlich ist es einfacher, sich von inneren Monstern unterkriegen zu lassen, statt zu kämpfen. Aber hat ja auch keiner gesagt, dass das Leben so einfach ist.

2 Kommentare

  1. 17. Mai 2019 / 11:56 pm

    Mir gefallen Deine Gedanken, Anna. Sie sprechen mir von einer beeindruckenden Reflektiertheit, die auf einem tiefen Empfinden beruht. Und sie sprechen von Optimismus. Das ist eine gute Mischung, glaube ich. Schon, dass Du sie gefunden hast, ist ein Erfolg. Aber augenscheinlich beginnst Du sie auch immer mehr zu leben.

    Dazu möchte ich Dich geradezu beglückwünschen, denn, wenn es Dir gelingt, diesen Weg weiter zu gehen, wird er Dich vor Erfahrungen bewahren, die ich niemandem wünsche. Zum Besipiel vor der, dass die kleinen Monster irgendwann tatsächlich unbezwingbar werden. – Ich kämpfe in diesem Sinne immer noch und will das auch nicht aufgeben. Aber bei mir ist seit jungen Jahren leider einiges schief gelaufen.

    Das sehe ich, wenn ich Deinen Gedanken hier folge, sie auf mich wirken lasse, für Dich nicht. Du bist jung und Du vermagst so viel zu erkennen. Für Dich selbst. Du entwickelst im wahrsten Sinne des Wortes gerade immer mehr SelbstBEWUSSTSEIN und es gelingt Dir ein SelbstWERTgefühl zu entwickeln und es zu beachten. – Das schenkt mir Freude, um so mehr, als ich eben weiß, wie wertvoll das ist. Wenn auch aus eigener eben nicht so positiver Erfahrung.

    Um so mehr begleiten Dich meine Wünsche. Alles Gute, alles Liebe Dir, auf dem eingeschlagenen Weg!

    Freundliche und liebe Grüße an Dich! Hab‘ eine gute Nacht, liebe Anna!

    • annaedrozd
      Autor
      18. Mai 2019 / 10:49 am

      Ich bin ganz gerührt von deinen Worten … Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, so einen schönen Kommentar dazulassen, ich schätze das sehr. Es freut mich, wenn dich meine Gedanken selbst zum Nachdenken angeregt haben und ich wünsche dir auch alles Gute!
      Schönes Wochenende! 🙂

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