Hochsensibilität – Warum versteht mich denn keiner?

Hochsensibilität – Warum versteht mich denn keiner?

Ich bin von einer Gruppe Menschen umgeben, von Freunden, die mich kennen, die wissen, wer und wie ich bin. Trotzdem fühle ich mich, als würde mich keiner von ihnen so richtig verstehen. Hallo, Hochsensibilität.

Wenn ich davon erzähle, wie es in mir aussieht, habe ich oft das Gefühl, ich würde versuchen, jemandem eine schwierige mathematische Gleichung zu erklären, der mit Mathematik absolut nichts am Hut hat. Als Antwort erhalte ich ein Nicken und ein mitfühlendes „Oh man. Aber so musst du dich doch gar nicht fühlen.“ – Ja, das weiß ich. Ich tu’s aber trotzdem.

Die Frage „Warum versteht mich denn keiner?“ stelle ich mir teilweise mehrmals am Tag, mindestens aber mehrere Male pro Woche. Für Außenstehende mag das vielleicht ziemlich egoistisch und undankbar wirken. „Du schätzt die Menschen, die für sich da sind und da sein wollen eben nicht genug.“, werden sich sicherlich einige denken. Aber so ist das nicht. Als ich endlich herausgefunden habe, dass es für das, was ich so oft fühle eine Bezeichnung gibt, hat sich das sehr befreiend angefühlt.

Hochsensibilität

Ja, die gibt es. Aber was ist das genau? Es gibt viele verschiedene Arten, auf die sich Hochsensibilität äußern kann. Manche Menschen nehmen dadurch Geräusche, Gerüche oder andere äußere Einflüsse weitaus deutlicher wahr, als andere. Andere verfügen über einen besonders ausgeprägten Tastsinn. Und Einige, so wie ich, nehmen unterbewusst viel mehr wahr, als die anderen. Ich bin eine extrem empathische und extrem sensible Person. Manchmal, oder ehrlich gesagt sehr oft kann mir das zum Verhängnis werden. Während jemand ohne richtig nachzudenken irgendwas sagt und es fünf Minuten später wieder vergisst, hängt es mir teilweise noch Tage hinterher.

Während Personen um mich herum den Moment genießen und sich fallen lassen, befindet sich mein Gehirn in einer Art „Dauerbetrieb“. Ich denke darüber nach, was alle anderen wohl gerade denken, wie etwas ankommt, wenn ich es sagen würde, wie ich generell ankomme. Ständig analysiere ich das Verhalten der anderen und versuche, alles in einen tieferen Kontext zu bringen. Das Problem dabei, beziehungsweise das, was mich dabei am meisten überfordert, ist, dass ich alles, oder fast alles, immer persönlich nehme. Ich beziehe Dinge auf mich, obwohl ich es gar nicht muss. Wenn jemand zum Beispiel über eine meiner Aussagen sagen würde, sie wäre „unnötig“, versteht mein Kopf das als: Du bist unnötig, dich braucht keiner, du sagst nur das Falsche.  Während die andere Person ein wenig später schon hat Gras über die Sache wachsen lassen, mache ich mich auch Tage später noch selbst fertig.

Dieser Post soll auf keinen Fall wirken, als würde ich Mitleid erzwingen wollen. Das ist nicht meine Intention. Vielmehr liegt es mir sehr am Herzen, so gut es eben geht zu beschreiben, wie sich Hochsensibilität anfühlt. Zumindest für mich. Vielleicht können dadurch Personen, die sich nicht so fühlen, manche Dinge besser verstehen.

Ich habe schon öfter gehört, dass ich egoistisch sei und nur an mich selbst denken würde. Wer mich aber wirklich kennt, weiß: Ich denke eigentlich nie so richtig an mich. Ich stelle das Wohl anderer über mein Eigenes und bin öfter damit beschäftigt, darüber nachzudenken, was die anderen denken, als mich darauf zu konzentrieren, was ich selbst fühle. Trotzdem kann ich nachvollziehen, dass es so ankommt. Da ich alles persönlich nehme, kann es schnell wirken, als würde mein Fokus nur auf mir selbst liegen. Das mache ich aber nicht mit Absicht. Es macht mir natürlich keinen Spaß, zu diskutieren oder darüber zu streiten, wie jemand etwas eigentlich gemeint hat und wie es aber bei mir ankommt. Hinter allem, was ich mache oder sage steckt unterschwellig eigentlich immer nur der Wunsch, es allen anderen recht zu machen. Ich will die Menschen um mich zu 100% verstehen.

Das ist nämlich auch die gute Seite an dem Ganzen, wie ich finde: Ich verstehe andere. Kann mich eigentlich in jede Person gut hineinversetzen und höre immer zu, wenn jemand etwas zu sagen hat. Auch, wenn ich diese Eigenschaft an mir mag, gibt es auch hier oft Missverständnisse.

Nehmen wir an, Person A kommt zu mir und erzählt von einem Streit mit Person B. Person A erklärt mir ihre Sichtweise, ich fühle mich in sie hinein und sage: „Ja, das verstehe ich. Sehe ich auch so!“. Dann kommt irgendwann Person B zu mir, erzählt von Ihrer Sichtweise und ich sage wieder: „Ja, das verstehe ich. Sehe ich auch so!“. 

Im Endeffekt kommt das für die Beteiligten und für Außenstehende dann unverständlich rüber und so, als hätte ich keine eigene Meinung. Das stimmt nicht. „Du passt dich den Menschen an, mit denen du Zeit verbringst“, habe ich inzwischen oft als Vorwurf gehört. „Keiner weiß, wer du eigentlich bist, weil du einfach allem zustimmst oder meinst, du verstehst alles.“ Auch diese Denkweise kann ich nachvollziehen. Ich mache das allerdings nicht, um jedem Menschen zu gefallen. Denn das geht nicht, das weiß ich. Sowas mache ich automatisch, beziehungsweise unterbewusst. Es ist in mir verankert, dass ich mich so in jemanden hineinversetze, dass mich die Denkweise der Person so überzeugt, als wäre es meine eigene. Ich habe das erkannt und arbeite daran, in solchen Situationen mehr innerliche Distanz aufzubauen und mich an meinen eigenen Standpunkt zu halten.

Eine Sache gibt es noch, die ich persönlich zum Thema Hochsensibilität noch gerne ansprechen möchte: Da ich, wie ich schon erwähnt habe, im „Analysiermodus“ bin, sobald ich von Freunden oder anderen Menschen umgeben bin, ist es für mich manchmal sehr anstrengend, etwas zu unternehmen. Wenn ich zum Beispiel zwei Tage hintereinander nur mit Menschen unterwegs war, brauche ich danach mindestens einen Tag lang Pause. Manchmal fühle ich mich auch einfach nicht in der Lage dazu, mich zu treffen, da mir die pausenlosen inneren Gedankenschleifen sehr viel Energie rauben. In solchen Momenten sage ich Treffen ab. Das hat dann nichts damit zu tun, dass ich keine Lust habe oder die Person nicht sehen will. Es geht nur manchmal eben nicht.

Ich bin teilweise ziemlich verzweifelt gewesen und habe nur noch gedacht: „Wieso versteht mich denn keiner? Ich möchte einfach nur gesehen und so verstanden werden, wie ich andere verstehe.“ Oft hatte ich das Gefühl, als „die Böse“ dargestellt zu werden, obwohl alles, was ich wollte nur das Beste für mein Umfeld war.

Hochsensibilität – es ist für mich wie Fluch und Segen gleichzeitig. Auch, wenn vieles oft anstrengend ist, finde ich es schön, in der Lage zu sein, mehr wahrzunehmen und auf einer tieferen Ebene mit Menschen verbunden zu sein, als andere. In meinem Leben habe ich zum Glück eine Person gefunden, der es auch oft so geht. Da muss ich nichts erklären – sie weiß, wie es mir geht.

Ich hoffe, dieser Post bringt ein bisschen Licht ins Dunkel und kann ein wenig aufklären. Wenn es dir so geht wie mir, dann sollst du wissen: Du bist nicht allein. Und an alle anderen: Vielleicht versteht ihr manche Menschen in eurem Umfeld ja jetzt ein bisschen besser.

Danke, dass du dir Zeit genommen hast, bis zum Ende zu lesen. Und wenn du noch mehr zu diesem Thema wissen möchtest: Hier findest du meinen Blogpost mit 11 Anzeichen von Hochsensibilität. Schau auch gerne auf meinem YouTube-Kanal vorbei – auch da lade ich häufig Videos zum Thema Hochsensibilität hoch.

 

 

 

 

 

23 Kommentare

  1. 22. Februar 2019 / 11:41 pm

    Liebe Anna,

    diese Zeilen von Dir hier heute haben mich sehr berührt. Sie haben mich sehr berührt, weil ich sie VERSTEHE.

    Mir hat erst kürzlich jemand, der meinen Blog nioch gar nicht so lange liest, die Vermutung geschrieben, dass ich doch wohl hoichsensibel sein müsste. Dien Person folgerte das aus meiner Aert und Weise zu schreiben.

    Ich hatte mich bis dahin nur sehr wenig mit dem Thema Hochsensibilität befasst. Ich gestehe, dass das auch damit zu tun hat, dass mir meine krankheitsbewerete Diagnose (Generalisierte Angsstörung verbunden mit mittelgrardig schweren depressiven Episoden) eigentlich völlig „reicht“.

    Eine gewisse Ahnung hatte ich zwar schon länger, aber nun habe ich dann mal zwei aus meiner Sicht seriöse Tests mit Blick auf Hochsensibilität gemacht. Und beide waren (schrecklich) eindeutig! – Ich musste das erst einmal ein bisschen verdauen.

    Allerdings erklärt sich mir nun sehr, sehr vieles in meinem Leben auf ganz andere Weise und zwar bis tief in meine Kindheit hinein. – Ich sehe in der Hiochsensibiklität, die ich als solche NICHT als Krankheit sehe und auch nicht so sehen möchte als einen ganz bedeutenden Faktor an, der mein Krankwerden allerdings nicht unwesentlich begünstigt, womöglich sogar befördert hat.

    Das muss ich nun erst einmal sacklen lassen und ein bisschen verarbeite …

    Du hast es sehr treffend beschrieben, dass hochsensibles Empfinden Fluch und Segen zugleich ist.

    Ich habe für mich gefunden, dass sich das unter anderem darin äußert, dass schöne Dinge, dass Spüren und Empfinden von Schönheit (das kann ganz verschiedne Dinge betreffen), obwohl es ja schön ist, manchmal zugleich weh tut, Schmerz verursacht. So ungefähr im Sinne von „zu schön um wahr zu sein“ vielleicht.

    Verstehst Du, was und wie ich es meine?

    Ich finde es übrigens mutig, dass Du hier zu dem Thema geschrieben hast. Und ich finde es ganz wunderbar, dass Du schreiben konntest, dass es in Deinem ganz nahen Umfeld jemanden gibt, der Dich WIRKLICH VERSTEHT. – Das ist etwas ganz, ganz Wertvolles.

    Ja, und nun grüße ich Dich heute also quasi ein bisschen als „Seelenverwandter“ und deshalb gewollt, ganz besonders lieb!

    • annaedrozd
      Autor
      23. Februar 2019 / 12:12 am

      Hallo,

      Wow. Deine Worte haben mich wiederum sehr berührt. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, sie mir zu schreiben, ich schätze das sehr wert. Es freut mich, dass Dir der Post gefallen hat und du ihn gut beschrieben findest. Es war nicht so leicht, die richtigen Worte zu finden. Auch ich finde nicht, dass es eine Krankheit ist. Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen Kraft geben und ja, ich verstehe was du mit „zu schön um wahr zu sein meinst“.

      Ganz liebe Grüße zurück!

      • 23. Februar 2019 / 12:43 am

        Danke, ja, Dein Eintrag hat mir ein bisschen Kraft gegeben. So oft fühle auch ich mich nicht wirklich verstanden.

        Übrigens habe ich eben beiim nochmaligen Lesen meines Kommentars von vorhin gesehen, dass der ganz schrecklich viele Tippfehler enthält. Das tut mir leid, und ich bitte Dich sehr, das zu entschuldigen.

        Meine Gedanken waren wieder einmal so viel schneller als meine beiden armen Finger, mit denen ich in Ermangelung besseren Vermögens, tippe. – Aber ich hätte den Text doch noch mal durchsehen und dann wenigstens etwas korrigieren sollen. So steht er nun ganz schön peinlich da. Na ja, Strafe muss sein …

        Aber es ist Dein Blog, und den habe ich nun doch ein bisschen sehr verunziert.

        Also noch einmal: Entschuldige bitte!

        Gute Nacht, und schlaf schön!

        • annaedrozd
          Autor
          23. Februar 2019 / 5:03 pm

          Das freut mich, dass es dir ein bisschen was gebracht hat. Die Tippfehler sind überhaupt kein Problem! 😉

          • Zuckerpuppe
            14. Juli 2019 / 7:58 pm

            Hallo Anna,

            vielen Dank für die Worte und super Beschreibung. Diese hätten auch von mir sein können.

            Leider seh ich die hochsensibilät immer mehr als Fluch. Die mich als 3fach Mama zur Selbstaufggabe und extremen körperlichen Einschränkungen gebracht haben. Das kümmern um andere, hat mich dazu gebracht selbst im Ruhezustand nicht mehr abschalten zu können und gar nicht mehr auf mich selbst hören zu können .
            Bis jetzt zum Schluss nach baby Nummer drei zu einer Sehstörung. Angstzustände und Depression, diese Diagnose höre ich ständig. Klar ist auch was dran. Leider kann die Umwelt nicht mit einer hochsensibilät umgehen und ich als hochsensibler Mensch nicht mit dieser egoistischen Umwelt.

            Ich hoffe das ihr und du einen guten Weg findest, das die hochsensibilät euch nicht zu sehr vereinnahmt und im Wege steht.

            Danke für deine Worte.

          • annaedrozd
            Autor
            14. Juli 2019 / 11:57 pm

            Es freut mich, dass du dich in meinen Worten wiedergefunden hast. Ich versteh total wie es dir geht, in unserer Gesellschaft ist es oft einfach überfordernd, hochsensibel zu sein. Ich kann dir nur alles gute mit auf den Weg geben und sagen, dass du nicht alleine bist.
            Ich schicke dir kraft!
            Liebe Grüße 🙂

  2. Wollequeen
    6. Oktober 2019 / 8:59 pm

    Hallo Anna,

    eben habe ich Deinen Post entdeckt und was soll ich sagen? Ich kann mich ihm und den Antworten Deines Posts voll und ganz anschließen. Auch ich gehöre zu den Analytikern, die sich bis zur Selbstaufgabe anderen widmen und für ihr Wohlbefinden sorgen wollen.

    Ich arbeite ganztags als Sekretärin und betreue eine 90köpfige Mannschaft. Jedem will ich sein Anliegen schnellst möglich erledigen und – einen Chef habe ich ja auch noch. Mir macht die Arbeit wirklich Spaß, da ich für mich in meinem Tempo alles (in meinem Perfektionismus) organisieren kann, einen sehr netten Chef habe und mir die Mitarbeiter den vollsten Respekt entgegen bringen. Jedoch bin ich als „Dank“ dafür immer müde und könnte den Rest des Tages nach der Arbeit verschlafen. – Ab ca. 17:00 Uhr bin ich so müde, dass ich mich schwer tue, noch etwas zu machen. Man kann wirklich die Uhr danach stellen…

    An sportlichen Aktivitäten ist gar nicht mehr zu denken und mit meinen Hunden muss ich mich fast zwingen, noch einen Spaziergang zu machen.

    Ja, und dann sind da auch meine Angstzustände und Depressionsphasen. Sie wurden in den letzten Monaten extrem verstärkt, da meine Schwester letzten November und in diesem Frühjahr mein Vater verstorben sind.

    Mir ist das Herz so schwer… Ich flüchte mich in das Alleinsein und meiner Kreativität und versuche, durch meine Handarbeiten irgendwie herunter zu kommen. Dann finde ich wieder so viele kreative Anleitungen, die mein Gehirn fast zum Explodieren bringen. – Und trotzdem bin ich seit ein paar Wochen noch nicht einmal in der Lage, mein geliebtes Hobby auszuführen.

    Ein Besuch bei einem Therapeuten hat so gar nichts gebracht, und ich ziehe mich immer mehr zurück, einfach nur, um nicht durchzudrehen.

    Ich habe das Gefühl, langsam verrückt zu werden… Ich muss derzeit täglich versuchen, mich selbst zu motivieren, was mir nur oberflächlich gelingt. Ich wirke ruhig, gelassen, selbstbewußt und recht stark „im Sein“; innerlich tobt in mir ein Wirbelsturm, der einfach nicht abklingen mag.

    Mein Fazit zur Hochsensiblität: Für mich ist es ein Kampf, der mal stärker, mal schwächer ausgeprägt ist – aber immer da…

    Herzliche Grüße, Bettina

    • annaedrozd
      Autor
      7. Oktober 2019 / 9:14 am

      Liebe Bettina,

      dein Kommentar hat mich wirklich getroffen. Einerseits freut es mich natürlich, dass du dich in meinen Worten wiederfinden konntest. Andererseits merke ich, wie schwer du es hast und das tut mir leid. Ich möchte dir ganz viel Kraft schicken und dir sagen, dass du nicht alleine bist mit deinem „inneren Wirbelsturm“. Den habe ich auch, zur Zeit sogar ziemlich heftig. Mir hilft es so wie dir, kreativ zu sein, meinen Blog und YouTube-Kanal zu betreiben, etc. Aber das hilft eben auch nicht immer.
      Ich wünsche dir, dass du stark bleibst. Du schaffst das. Ich verstehe dich sehr sehr gut!

      Liebe Grüße,
      Anna 🙂

    • Gabi
      21. Mai 2020 / 5:41 pm

      Hallo Bettina, ich finde mich zu 💯 in Deinem Kommentar wieder. Ich wusste nicht, dass mein Problem einen Namen trägt. Das ist ein Leiden ohne Ende und ich bin momentan auch schon soweit, dass ich nur noch zur Arbeit und zum einkaufen gehe. Diese Phasen mit Depressionen sind manchmal so stark, dass ich nur noch heule und mein Dasein sich falsch anfühlt. Vielen Dank, jetzt weiß ich wenigstens, wonach ich suchen muss 😉 Liebe Grüße, Gabi

  3. Geli
    21. Februar 2020 / 9:06 pm

    Hallo,
    Ich bin eben ganz zufällig auf deine Seite gekommen.
    Während ich deine Posts und die dazugehörigen Kommentare lese fing ich an am ganzen Körper zu zittern und die Tränen liefen (bzw. laufen noch immer) parallel dazu. Es ist ein völlig unbekanntes Gefühl das mich überkommt, so als hätte jemand anderes für „mich“ aus „mir“ heraus geschrieben wie aus einem Buch. Dabei kenne ich keinen von euch.
    Ich bin keiner der an übersinnliches glaubt. Aber jetzt überlege ich ob es so etwas vielleicht doch gibt?
    Ich bin gerade so verwirrt. Es gibt also tatsächlich Menschen denen es so geht wie mir!?!?!?
    Die vielleicht auch schon seit Jahrzehnten mit „Depression“ leben, sich unverstanden fühlen, in der Partnerschaft sich quasi unterordnen und alles für „ALLE“ gut machen wollen, man als empfindlich abgestempelt wird wenn es einem nicht gut geht. Oder man nach der Arbeit in sich zusammen fällt, da man auch dort immer und jedem gerecht werden möchte. Versucht Unklarheiten aus dem Weg zuräumen wie z.B. zwischen Kollegen und Vorgesetzten.
    Ihr seid auch ab und an Geräusch empfindlich, Licht empfindlich, freut euch zwischen durch einmal ganz alleine zu sein, könnt auch nicht Tag für Tag mit jemandem treffen ( weil auch das enorme Energie kostet),könnt euch aber auch an ganz gewöhnlichen Dinge des Lebens freuen (z.B. Über das Rauschen eines kleinen Baches) ??? Ich könnte gerade schreiben ohne Ende 😔. Doch jetzt kommt der Gedanke auf , dass ich alles von euch nur falsch verstanden haben könnte und ich mich gerade mal wieder lächerlich mache !?
    Wie ist euch eigentlich der Gedanke gekommen „Hochsensibel“ zu sein???
    Egal 😑 was ihr jetzt von mir denkt ( so MUSS ich es mir jetzt sagen) bin ich gespannt ob auch nur eine Reaktion von jemandem auf diesen extrem langen Text von mir kommt.
    Danke 🙏
    Ich wünsche jedem Betroffenen VERSTÄNDNIS & KRAFT
    GgvG von Geli

    • annaedrozd
      Autor
      12. März 2020 / 11:03 pm

      Liebe Geli,

      zuerst einmal möchte ich mich bei dir für deine Worte bedanken! Es bedeutet mir sehr viel, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Gedanken und Gefühle zu beschreiben. Noch mehr freut es mich, dass du dich in meinem Text wiederfinden konntest. Ich denke, Hochsensibilität ist ein sehr komplexes Thema, mit dem jede/r von uns anders umgeht. Ich merke bei dir, dass du ziemlich unsicher bist und ich möchte dir sagen: das brauchst du nicht zu sein! Es erfordert viel Mut, seine Gefühle öffentlich und mit Fremden zu teilen und du machst dich auf gar keinen Fall lächerlich. Mir persönlich ist erst recht spät aufgefallen, dass ich hochsensibel bin. Ich habe mich zwar immer schon anders gefühlt, als andere Menschen, wusste aber nicht, dass es dafür tatsächlich einen Begriff gibt. Ich habe dann irgendwann angefangen, viele Videos auf YouTube zu schauen und mich mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Seitdem lerne ich mich selbst besser und besser kennen. Ich wünsche auch dir ganz viel Kraft, lass den Kopf nicht hängen! Vielleicht als kleine Inspirationsquelle: Ich habe gestern ein Video auf meinem YouTube-Kanal zum Thema Hochsensibilität und Introvertiertheit hochgeladen. Da teile ich meine Tipps, wie ich im Alltag besser damit umgehen kann. Schau gerne mal rein, ist auch im Artikel oben eingebettet.
      Ganz liebe Grüße,
      Anna 🙂

  4. Karin
    1. März 2020 / 3:16 pm

    Hallo liebe Anna,
    Ich habe deinen Text gerade gelesen und ich kann dich so gut verstehen. Mir geht es genauso. Mein Hirn ist permanent am arbeiten und analysieren. Dadurch wird es mir oft ein wenig zu viel und ich ziehe mich etwas zurück oder sage Treffen ab. Warum kann leider keiner nachvollziehen. Ich bin seit Jahren alleinerziehend und versuche meiner Tochter gerecht zu werden. Das strengt schon an, und das ich körperlich erschöpft bin, vom ständigen rattern im Kopf kann keiner verstehen.
    Des Weiteren nehme ich Geräusche sehr genau wahr. Auch hier brauche ich manchmal einfach Ruhe.
    Ich danke dir für deinen Beitrag.
    Alles gute für dich!
    LG Karin

    • annaedrozd
      Autor
      12. März 2020 / 11:05 pm

      Liebe Karin,

      vielen lieben Dank für deinen Kommentar! Wow, du scheinst eine richtige Powerfrau zu sein. Ich kann mir vorstellen, dass es sehr anstrengend ist, Hochsensibilität und ein Kind unter einen Hut zu bekommen. Ich schicke dir ganz viel Kraft und freue mich, dass du dich in meinen Worten wiedergefunden hast!

      Liebe Grüße,
      Anna 🙂

  5. Firefighter 2019
    28. April 2020 / 11:06 am

    Hallo,

    Schöner Text, find ich echt toll und er hat mich auch sehr berührt, denn ich verstehe ihn und kann mich auch ein Stück weit damit „identifizieren“, denn in manchen Zeilen erkenne ich mich wieder.
    Eigentlich beschäftigt mich genau die selbe Frage immer wieder: „Warum versteht mich keiner?“. Wobei mich aktuell eher die Frage beschäftigt: „Warum versteht keiner, wie sehr ich sie liebe?“, denn ich bin in eine (für mich) ganz tolle junge Frau verliebt, die für mich einfach perfekt ist, auch wenn’s immer heißt, niemand sei perfekt, aber eben dass ist sie für mich. Ein Grund, weswegen ich sie so sehr liebe, ist genau die Tatsache, dass ich mich bei ihr verstanden fühle. Natürlich ist es nicht nur der einzige Grund, da gibt es noch ein paar mehr, aber die jetzt alle hier aufzulisten würde einen ewig großen Text ergeben.
    Nichtsdestotrotz finde ich den Beitrag sehr schön geschrieben.

    LG Firefighter 2019

    • annaedrozd
      Autor
      14. Mai 2020 / 11:17 pm

      Hey, es freut mich sehr, dass du dich in meinen Worten wiederfinden konntest. Und umso schöner ist es, dass du eine Person hast, bei der du dich so verstanden fühlst – das ist wirklich etwas Besonderes und ich finde, du brauchst dich da gar nicht so zu erklären. Und auf die Frage „warum versteht denn keiner, wie sehr ich sie liebe“ möchte ich dir nur sagen: so lang du selbst weißt warum und solang du dich selbst gut mit diesem Menschen fühlst, ist es egal, ob dich jemand anders versteht oder nicht. Ich wünsche dir und euch jedenfalls alles Gute.

      • Firefighter 2019
        14. Mai 2020 / 11:51 pm

        Hey, stimmt, da hast du recht so habe ich dass ehrlich gesagt noch gar nicht betrachtet. Ohja, ich weiß warum ich sie liebe. Obwohl wir leider „nur“ befreundet sind und nicht zusammen sind (sie hat leider schon einen Freund) tut sie mir mit ihrer bloßen Anwesenheit trotzdem immer so unendlich gut, dass ich eigentlich immer alles vergessen kann und nur glücklich bin. Zwar tut es mir ehrlich gesagt schon weh, dass wir kein Paar sind, aber (so komisch es auch klingen mag) ein Lächeln von ihr reicht und mir geht´s automatisch mega gut.
        Aber gut, Danke aufjedenfall für deine Antwort und noch einen schönen Abend.

        • annaedrozd
          Autor
          15. Mai 2020 / 9:42 am

          Ja, es gibt immer verschiedene Arten, eine Situation zu betrachten 🙂 Ich kann verstehen, dass du traurig bist, weil du nicht mit ihr zusammen bist aber versuch an die schönen Seiten zu denken und daran, wie wertvoll eure Freundschaft ist.

  6. Sandra
    14. Mai 2020 / 9:59 pm

    Hallo liebe Anna,

    Dankeschön für deine offenen Worte!Ich erkenne mich in allem zu 100% wieder!
    Da ich gerade eine sehr schwere Zeit durchmache und beruflich überhaupt nicht mehr weiß,wie es weitergehensoll/ wird, würde ich gerne wissen, was du beruflich machst?

    Mit lieben Grüßen
    Sandra ⚘🌺

    • annaedrozd
      Autor
      14. Mai 2020 / 11:21 pm

      Hey Sandra, vielen lieben Dank für deine Worte. Es freut mich sehr, dass du dich wiedererkennen konntest und ich hoffe, meine Worte konnten dir ein bisschen Trost spenden. Ich fange im Sommer mit meiner Bachelorarbeit an – ich studiere Journalismus und mache gerade Praktikum beim Stadtmagazin Geheimtipp München. Nebenbei schreibe ich (leider viel zu unregelmäßig) für diesen Blog hier und betreibe seit August meinen eigenen YouTube Kanal :-). Ich wünsche dir ganz viel Kraft, auch schwere Zeiten stehen wir irgendwie durch!

  7. Franziska
    27. August 2020 / 9:37 pm

    Hallo,
    ich habe zum 1.Mal das Gefühl, dass es Menschen gibt, denen es genauso geht. Auch dieser Egoismusvorwurf, und in Wirklichkeit bin ich diejenige, die fast nie durchschläft, weil irgendwas nachhängt, das die anderen, die nicht Egoisten, längst vergessen haben. Ich würde so gerne mal jemanden persönlich treffen und mich austauschen.
    Ich bin sehr traurig.
    LG
    Franziska

    • annaedrozd
      Autor
      27. August 2020 / 10:15 pm

      Hey liebe Franziska,

      auch, wenn es natürlich schade ist, dass du so traurig bist, finde ich es schön, dass du dich in meinen Worten wiederfinden konntest. Ja, so ein Austausch ist wirklich eine schöne Idee! Vielleicht lässt sich da ja was machen.

      Liebe Grüße
      Anna

  8. Tanja
    31. August 2020 / 11:22 am

    Liebe Anna
    Es macht mich so happy, dass ich deinen Artikel und die Kommentare gefunden habe. Das ist Erleichterung. Ich fühle mich nun weniger allein. Ich wusste schon, dass ich hochsensibel bin, aber es tut immer wieder gut darüber zu lesen und zu erfahren, wie es anderen Hochsensiblen damit geht. Lg Tanja

    • annaedrozd
      Autor
      31. August 2020 / 10:07 pm

      Liebe Tanja,

      das freut mich sehr! Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Hab eine schöne Woche!

      Liebe Grüße
      Anna

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