Schöne, perfekte Welt

Schöne, perfekte Welt

Statt Kaffee… Likes?

Der Wecker klingelt. Der erste Griff des Tages geht zum Smartphone – die sozialen Netzwerke müssen schließlich “gecheckt” werden.

Was wurde in der Nacht verpasst? Wie viele Likes, Kommentare und Follower sind dazugekommen? Welche schönen Bildchen eignen sich an diesem Morgen zum Reposten?

So – oder ähnlich – sieht der Start in den Tag wohl bei den meisten Angehörigen der Generation Z aus. Um ehrlich zu sein – ich war (bin oft noch) nicht anders. Meine Augen waren noch nicht einmal richtig offen, schon hatte ich das Smartphone in der Hand und war bereit, mich “sozial” so richtig zu engagieren. Das Schlimme daran ist, den Meisten fällt noch nicht einmal auf, wie alarmierend diese kleine Gewohnheit eigentlich ist. Der Morgen sollte doch eigentlich ruhig sein, Energie liefern für den bevorstehenden Tag. Wie soll der Tag denn werden, wenn sich junge Menschen, wie abgestumpfte Roboter, schon ab der ersten Sekunde mit den Anderen da draußen vergleichen?

“Soziale” Netzwerke?

Ich möchte erst einmal betonen, dass ich auf gar keinen Fall gegen Social Media im Allgemeinen bin. Im Gegenteil – ich verbringe oft ziemlich viel Zeit auf Plattformen wie Instagram, Snapchat oder Pinterest. Klar, die Vorteile sprechen für sich:

Nie war es einfacher, mit Freunden und Bekannten immer in Verbindung zu stehen und zu sehen, was sie so treiben. Nie war es einfacher, seiner Kreativität freien Lauf zu lassen und sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Doch ich finde auch – nie war die Gefahr höher, sich selbst zu verlieren und sein Leben nach den Vorlieben Anderer ausrichten zu wollen. Weil es eben alle so machen. 

Den Reiz, den diese Plattformen noch vor einer nicht allzu langen Zeit für mich hatten, verliere ich immer mehr aus den Augen. Mittlerweile habe ich das Gefühl, nur noch die gleichen Bilder zu sehen – perfekt platziertes Essen, geliebte Produkte, sich räkelnde Frauen. Eine Designertasche hier, der optimale “Detox-Tee” da. Es scheint so, als würde die Kreativität, die an solchen Orten eigentlich dominieren sollte, dem Perfektionismus und Marketing weichen. Jeder verteilt seine Herzchen – die Likes sind wie eine Währung, die darüber urteilt, wie akzeptabel unser Leben für die allgemeine, Perfektion fordernde Gesellschaft ist. Warum kann es nicht einfach egal sein, welche Zahl über meinem Profil oder unter meinen Bildern steht? Sozial finde ich diese Netzwerke schon lange nicht mehr. Eher abgestumpft und realitätsfern. Ziemlich “asozial”, um es genau auszudrücken. 

Eine “echte” Abwechslung

Ich möchte hier gar nicht so tun, als würde ich nicht auch oft erst 50 Bilder schießen, um dann eins zu bearbeiten und es hochzuladen. Natürlich mache ich das. Mir ist aber dementsprechend auch klar, dass es auf Instagram und Co. leider immer weniger Realität zu sehen gibt. Das Problem ist, dass es eben nicht allen Usern klar ist. Ich finde, es wäre vor allem wichtig, den Jüngeren klar zu machen, dass eben nicht alles so perfekt ist, wie es scheint. Denn sie sind es, die sich von dieser schönen, bunten Welt oft täuschen lassen und sich dann selbst Vorwürfe machen, wieso sie denn nicht so makellos aussehen, wie ihr Lieblingsinfluencer, wenn sie ein Bild unter dem Hashtag #wokeuplikethis posten.

Vor einigen Monaten hatte ich es so satt, immer perfekt aussehende Marionetten zu sehen, dass ich fast allen “Instamodels” und Influencern entfolgt habe. Mittlerweile folge ich nur denen, die mir wirklich einen Mehrwert bieten – nicht nur schön bearbeitete Bildchen. Ich weiß, dass es der Job von solchen Menschen ist, sich online entsprechend zu präsentieren. Es ist aber dadurch umso wichtiger, dass sie damit anfangen, das echte Leben zu zeigen. Ich habe mir vorgenommen, mehr darauf zu achten, was ich so hochlade und freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn ich über Bilder stolpere, die das Leben zeigen, wie es ist – ungefiltert.

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