Ausbrechen & Akzeptieren.

Ich sehe in den Spiegel und blicke in müde Augen. Ausdruckslose, müde Augen. Irgendetwas stimmt nicht. Ich richte meinen Blick auf die immer länger werdenden blonden Haare, die das im Spiegel reflektierte Gesicht umspielen.

Weiter wandert meine Aufmerksamkeit auf die Wangen. Ein roter, großer Pickel verunstaltet das sonst ebenmäßige Hautbild. Dunkle Schatten unter den Augen deuten auf schlaflose Nächte hin. Was ich sehe, ist eine junge Frau, die nicht zu 100% hinter sich steht. Die nicht zu 100% mit sich im Reinen ist. Die nicht weiß, dass sie schön ist, wie sie ist. 

Schönheitsideale gab es eigentlich schon immer. Sie dominieren unsere Welt nicht erst seit Kurzem. Jeden Tag aufs Neue vergleichen sich Männer und Frauen, Jungen und Mädchen miteinander. Ich habe mich in letzter Zeit sehr viel mit dem Thema Schönheit auseinandergesetzt. Was bedeutet Schönheit? Wer legt fest, was schön ist und was nicht? Klar, wir leben in einer Welt, in der Jeder seine Meinung frei äußern darf. Jeder darf selbst entscheiden, was er als schön empfindet und was eben nicht. Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass es ein allgemein gültiges Ideal gibt, welches unsere Sichtweise noch immer beeinträchtigt.

Warum Perfektion nicht schön ist

Die „Spiegel-Situation“, die ich oben beschrieben habe, ist bei mir in letzter Zeit sehr oft vorgekommen. Vielleicht habe ich mir auch deshalb meine Haare wieder abgeschnitten. Es fasziniert mich, wenn Menschen aus dem gängigen Ideal „ausbrechen“ und wirklich dazu stehen, wer sie sind und wie sie aussehen. Ich habe mir unzählige Videos von Frauen, die ihre wunderschönen, langen Haare abrasieren angesehen. Und ich liebe es. Diese Frauen sprechen vom Neuanfang, davon, dass sie lernen wollen, sich selbst so zu lieben, wie sie sind. Sie beweisen, dass es keine perfekt gestylte Frisur braucht, um weiblich, sexy und schön auszusehen.

Natürlich betreffen Gedanken zum Thema Schönheit und Perfektion nicht nur die weiblichen Mitglieder unserer Gesellschaft. Es gibt unzählige Jungen und Männer, die sich nicht so akzeptieren, wie sie sind und sich hinter „perfekt“ zurechtgemachten Haaren oder sündhaft teuren Kleidungsstücken verstecken. Da ich allerdings selbst eine junge Frau bin, konzentriere ich mich in diesem Post auch auf die weibliche Seite dieser Debatte.

Perfektion, die das Aussehen betrifft, widert mich an. Das mag jetzt übertrieben klingen – doch ich habe es satt, ständig eingetrichtert zu bekommen, dass ich so und so auszusehen habe, um erfolgreich zu sein, gut anzukommen oder als SCHÖN wahrgenommen zu werden.

Perfektion ist langweilig.

Ich bin Ich – mit allem Drum und Dran

Meinen Bauch zieren mittlerweile 6 Narben. Ich bin nicht die Dünnste, habe Dehnungsstreifen, keine blendend weißen Zähne. Ich habe Mitesser an der Nase, die nicht weggehen. Egal, mit wie viel „Wundermittel“ ich sie behandle. Ich bin ein Mädchen und habe kurze Haare. Laut Schönheitsideal bin ich also total unattraktiv – wenn nicht sogar hässlich. 

Ich finde es schon traurig, so etwas überhaupt zu schreiben. Wenn ich mir dann aber vorstelle, wie viele Mädchen und Frauen solche Gedanken JEDEN TAG haben, dann wird mir schlecht. Hässlich? Ich würde es eher als echt bezeichnen. Jeder Mensch ist anders. Ist das nicht wunderschön? Warum stecken wir uns selbst in Schubladen? Warum lassen wir uns durch die Mode- und Kosmetikindustrie sagen, wie wir zu sein haben?

Ich möchte raus

Ich bin 19. Ich stecke in einem Lebensabschnitt, der eigentlich einer der Schönsten meines Lebens sein sollte. Neue Erfahrungen, neue Bekanntschaften. Stattdessen plage ich mich damit herum, ob mein Hinterteil in der neu gekauften Jeans auch auffällig genug aussieht.

Ist es so schwer, sich selbst zu lieben? Kann es wirklich so unmöglich sein, sich nicht mit Anderen zu vergleichen? 

Ich bin 19 und ich habe es satt. Ich möchte meine eigene beste Freundin sein, die hinter mir steht, egal, was passiert. Ich möchte inspiriert sein und Andere inspirieren. Ich möchte raus aus all den Zwängen, die mir Tag für Tag aufgedrückt werden. Meine Haare abzuschneiden war eine wunderbare Entscheidung. Ich fühle mich wieder mehr, wie ich selbst. Meine Selbstsicherheit kehrt zu mir zurück. Ich lerne jeden Tag, mir selbst ein Lächeln zu schenken. Das fühlt sich gut an. Befreiend. Irgendwann möchte ich mir auch meine Haare abrasieren. Wann, weiß ich nicht. Aber ich stelle es mir sehr bekräftigend vor. Ich möchte erfahren, wie es ist, wenn ich mit voller Überzeugung sagen kann: Ich bin schön.

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Inspiration

Ich möchte jetzt Menschen, Beiträge, Zitate, Musiktitel oder Fotos mit Euch teilen, die mich in den vergangenen Tagen sehr inspiriert haben. Wenn ihr etwas Zeit habt, solltet ihr Euch das alles in Ruhe ansehen.

Videos

Menschen

Musik

  • „Symphony“ – Clean Bandit ft. Zara Larsson
  • „Tell Me You Love Me“ – Demi Lovato
  • „Only Forever“ – Demi Lovato
  • „We Are…“ – Noah Cyrus ft. Mø
  • „Hometown Glory“ – Adele
  • „Let It Go“ – The Neighbourhood
  • „Must Be Nice“ – G-Eazy ft. Johanna Fay
  • „Praying“ – Kesha
  • „Start a War“ – Klergy & Valerie Broussard 
  • „Jour 1“ – Louane 
  • „Grow“ – Frances
  • „Wildfire“ – Seafret
  • „Joanne“ – Lady Gaga
  • „Bird Set Free“ – Sia
  • „Seaside“ – Haux
  • „Genesis“ – Dua Lipa 
  • „Be The One“ – Dua Lipa
  • „Blow Your Mind“ – Dua Lipa
  • „Gravity“ – Leo Stannard ft. Frances

Zitate / Bilder/ Beiträge

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3 Kommentare zu „Ausbrechen & Akzeptieren.

  1. Mal etwas Neues auszuprobieren, sich so nach und nach tatsächlich zu finden, das ist in Ordnung. Zumal, wenn man jung ist, so jung wie Du. Du MUSST probieren können. In diesem Sinne möchte ich Dich also gern ermutigen.

    Ich lese aber auch in und zwischen Deinen Zeilen eine Unzufreidenheit mit Dir selbst. Du bist kritisch mit Dir, ich finde, ein bisschen zu kritisch. Denn auch so, wie Du bislang warst, so, wie Du gerade bist, ist Schönes in und an Dir. – Du verfügst über eine sehr wandelbare Mimik vermute ich (das glaube ich aus Deinen Bildern sehen zu können), ein ausdrucksstarkes Gesicht und, Du hast Augen, die eine besondere Tiefe und Wärme ausstrahlen. – Ich will es einmal dabei belassen´, ahnend, dass es etwa um Deine Figur auch nicht so „kritisch“ steht, wie Du es selber siehst. Ich hoffe überhaupt, dass ich Dir jetzt nicht zu nahe getreten bin, da wollte und will ich nicht!)

    Was ich sagen will: Wenn Du Dich verändern möchtest, ist das in Ordnung, wenn Du meinst, Dich verändern zu müssen, dann stimmt das allerhöchstens teilweise.

    Bemerkst Du den Unterschied?

    Im Übrigen gibt es verschiedene Schönheitsideale. Die, die gepredigt und gehypet werden, gibt es freilich eigentlich gar nicht. Die sind künstlich.

    Was Äußerlichkeiten betrifft, machen Kleinigkeiten, Besonderheiten, Gesten, eine Art zu lächeln, einen Menschen schön. Und dann kommt da noch das Innere – DAS in seiner Summe macht Schönheit aus. – Ein (vermeintlich) hübsches Gesicht und eine Figur wie aus einem Katalog, sind dagegen ziemlich wenig …

    Suche und finde Dich, liebe Anna, aber versuche nicht, Dich völlig umzukrempeln. Das musst Du nämlich gar nicht, um SCHÖN zu sein …

    Viele, sehr liebe Grüße!

    Gefällt mir

  2. Hallölchen, sehr ehrlich geschriebener Beitrag! Gefällt mir.
    Und ich kann das bekräftigen. Letztes Jahr habe ich mir meine Haare abrasiert und es war unglaublich befreiend und hat mich sehr als Mensch weiter gebracht.
    Man ist allerdings gezwungen mit mehr neugierigen Blicken als sonst umzugehen und einfach aufzufallen. Aber gerade das, war das was mich dabei stärker gemacht hat. Über der Meinung der anderen zu stehen!
    Ich glaube das wichtige ist, ein eigenes Schönheitsideal zu entwickeln. Sei so, wie du persönlich sein willst und es schön findest. Das ist es, was langfristig gesehen zufrieden macht! Viel Mut und liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

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