Erzähl mir mehr… |Dankbarkeit

Der letzte Monat war sehr intensiv für mich. Wie viele von euch bereits wissen, habe ich im Oktober begonnen zu studieren. Einige Eindrücke davon habe ich bereits in meinem Post „Neuanfänge“ geschildert. Ich habe sehr viele neue Menschen kennengelernt, sehr verschiedene. Und genau darum soll es in diesem Post gehen.

Dank meiner Schulzeit war ich immer sehr oberflächliche Beziehungen zu anderen Menschen gewohnt. Ich hatte nicht unbedingt viele Freunde (mit denen, die ich hatte und die mir wichtig waren, bin ich bis heute befreundet) und habe auch nicht wirklich zu den beliebtesten Personen gezählt, obwohl ich mich doch mit den meisten Mitschülern gut verstanden habe. Auf meiner Schule herrschte eine extrem starke Gruppenbildung (beziehungsweise vor allem in meinem Jahrgang): es gab die, die überall gemeinsam hingegangen sind und auf jede einzelne Party eingeladen waren und die, die nie gefragt wurden. Wenn ich mich an die Zeit in der Schule zurück erinnere, dann muss ich wirklich sagen, dass ich sehr froh bin, dass ich nicht mehr dort hin zurückkehren muss. Egal, wo man hingesehen hat, ging es zum größten Teil darum, wer das schönste Täschchen hat, wer die dünnsten Oberschenkel, das schönste Gesicht, die schmalste Taille oder die besten Beziehungen zu wichtigen Personen. Grundsätzlich waren solche Menschen immer die, die mit jedem vernetzt waren. Status hat eine unglaublich große Rolle gespielt und man war nur jemand, wenn man mit denen, die diesen gewissen Status hatten etwas zu tun hatte. Andernfalls war man raus.

Ich habe mich unter diesen Umständen nie wohl gefühlt. Es wurde oft das Gefühl transportiert, dass man nicht gut genug ist, wie man eben ist. Es gab einige, die sich nichts daraus gemacht haben, nicht mit den „It“-Leuten abzuhängen und es gab einige, die alles dafür getan hätten. Zu zweiter Gruppe habe ich über eine lange Zeit hinweg gehört. Ich war sehr oft traurig, nicht Teil dieser Freundesgruppe zu sein, warum, das weiß ich nicht. Es war denke ich einfach faszinierend ihre Welt zu sehen und sich vorzustellen, auch dabei zu sein. Snapchat und Co. haben es einem nicht einfacher gemacht. Oft saß ich abends im Bett und habe mich weinend durch die Stories getippt, während anscheinend alle anderen eine wunderbare Zeit hatten.

Irgendwann habe ich mir nicht mehr ganz so viel daraus gemacht, oder es mir zumindest eingeredet. Doch vor allem vor und während der Abiturzeit konnte ich es kaum mehr erwarten die Schule zu verlassen und einige Menschen nie wieder sehen zu müssen (bei einigen wenigen war ich auch sehr traurig). Es war extrem interessant zu sehen, wer übrig bleibt und den Kontakt weiterhin sucht, auch, wenn man sich nicht mehr in der Schule sieht. Es gab auch „Freundschaften“ die ich beenden musste, weil ich über die Zeit hinweg gemerkt habe, wie toxisch sie für mich sind. Das war nicht leicht, vor allem nicht, sich das einzugestehen und auch den Schritt zu machen, aber es war definitiv die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können.

Dadurch, dass ich solche Erfahrungen in der Schule gemacht habe, war ich wirklich mehr als gespannt auf die Uni und hatte auch eine große Hoffnung, dass alles anders wird. Mein Menschenbild hat sich in den letzten Jahren extrem verändert, ich bin erwachsener geworden und habe erst richtig gemerkt, was mir wichtig ist, wenn es um Freundschaften und andere Menschen im Allgemeinen geht.

Ich möchte mit jemandem nicht darüber reden, wie viele Kalorien die Person am Tag zu sich nimmt, welche Kleidergröße sie trägt oder wie viel Make-Up sie sich jeden morgen ins Gesicht schmiert. Ich will nicht darüber sprechen, dass „die eine da“ keinen perfekt definierten Bauch hat, nicht die neuesten Markenklamotten trägt und auch mal ein Stück Pizza zu viel isst.

Ich möchte darüber reden, was die Person glücklich macht, was sie inspiriert, was ihre Ziele sind. Das Wichtigste für mich ist, etwas von meinem Gegenüber lernen zu können. Es geht doch nicht darum, das Äußere zu beurteilen. Ich will niemanden näher kennenlernen, der sich mit mir ausschließlich über die neuesten Trends oder die besten Schönheits-OPs unterhalten kann. Solche Menschen möchte ich nicht in meinem Leben haben. Das wirklich Interessante ist doch, in die Seele einer Person hineinschauen zu können. Gemeinsam zu lachen, zu weinen, Musik zu hören, Meinungen auszutauschen, sich zu helfen, wenn man Unterstützung braucht, sich gegenseitig etwas beizubringen und mit auf den Weg zu geben. Das ist was wirklich zählt.

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Solche Menschen habe ich in der Uni gefunden. Falls jemand von euch das hier liest (ich denke, alle die gemeint sind, wissen das, denn ich habe es euch auch schon persönlich gesagt): ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich euch habe. Ich hätte nie erwartet, dass wir so schnell eine so starke Gruppe werden. Man kann mit euch über viel mehr als nur die oberflächlichen Dinge reden und das schätze ich sehr. Jeder Einzelne von euch ist auf seine eigene Art und Weise besonders und das ist absolut toll. Also danke, dass ich euch meine Freunde nennen darf (das gilt natürlich auch für die außerhalb der Uni).

„Freundschaft muss nicht perfekt sein.

Nur echt.“

„Sei einfach wie du bist.

Die Richtigen werden bleiben.“

„You got nothing to lose.

You don’t lose when you lose fake friends.“

Keep that in mind 😉

4 Kommentare zu „Erzähl mir mehr… |Dankbarkeit

  1. Wieder ein sehr schöner und ehrlicher Text. Finde es stark, dass Du Dich so zu reflektieren verstehst, obwohl seit Deiner Schulzeit noch gar nicht wirklich viel Zeit vergangen ist. Und es ist auch toll, dass Du so ganz unbefangen schreibst, dass Du erwachsener geworden bist.

    So viele junge Leute (habe ich wahrgenommen) fürchten sich vor dem erwachsen Werden, weil sie damit verbinden, dass ihnen ihre Unbefangenheit, ihre Freiheit verloren geht. Dass dann vor allem Verpflichtungen und Zwänge an der Tagesordnung sein werden. – Ja, ein Schulleben ist von weniger Pflichten und Verantwortung durchzogen als das Leben als Erwachsener (obwohl man das als jugendlicher Schüler zumeist natürlich gaaanz anders sieht).

    Aber Freiheit ist auch einer der relativsten Begriffe überhaupt. Weil Freiheit selbst IMMER nur relativ ist und sein kann für einen Menschen.

    Mir gefällt sehr, was Du über Dein heutiges Verständnis von Freundschaften geschrieben hast. In solchen Freundschaften kann man Heimat finden, und solche Freundschaften sind deshalb ein großes und wichtiges Momnent von Freiheit

    Ich wünsche Dir ganz viel Heimat und Freiheit in Freundschaften. Ich wünsche Dir gute, teife, WIrkliche Freundschaften. Jede einzelne davon gehört zum Wertvollsten was einem geschenkt sein kann. und hat man zwei, drei oder vier davon, dann ist man schon wirklich reich.

    Wieder viele freundliche und liebe Grüße an Dich, liebe Anna!

    Gefällt 1 Person

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